Musikalische Reise ins Russland der 60er-Jahre

Salty Doks Spezial: „Elektro Moskva“ (Doku & DJ/VJ-Set)

Studio West – Independent Film zeigt in seiner Doku-Reihe SALTY DOKS am Freitag, den 29.01.2016 um 19:00 Uhr in der ACADEMY BAR (Franz-Josef-Straße 4, Salzburg) „Elektro Moskva“ von Elena Tikhonova und Dominik Spritzendorfer (AT 2013 / 86 min). Der Film wurde mehrfach international ausgezeichnet u.a. als beste Musik-Doku beim Unerhört-Festival in Hamburg 2014. Im Anschluß folgt ein von Salty-Doks-Kurator Hermann Peseckas moderiertes Gespräch mit den FilmemacherInnen und ein tanztaugliches DJ/VJ Set („russische Elektro-Disco“).

Eintritt frei – Die FilmemacherInnen sind anwesend!

Der Film:

Elektro Moskva ist eine essayistische Erzählung über das letzte Jahrhundert sowjetischer und postsowjetischer „Elektrogeschichte“, erzählt von Musikern und Erfindern, Genies und Bastlern. Vom „russischen Edison“ Leon Theremin, dem Erfinder eines der ersten elektronischen Musikinstrumente, aber auch von Abhörgeräten für den KGB, von der Space-Ära der 1960er-Jahre und von der Massenproduktion von Synthesizern in den frühen 1980er-Jahren – allesamt Abfallprodukte der Militärindustrie. Heute recycelt und interpretiert eine lebendige elektronische Musikszene dieses Erbe neu und führt es in eine ungewisse Zukunft. Ein Film über den genial-wundersamen Erfindergeist, der trotz oder gerade wegen großer politischer Repression und Gleichschaltung gedeiht.

Elena Tikhonova und Dominik Spritzendorfer spüren der Elektrifizierung der kommunistischen Sowjetunion nach. Mit Original-Footage unterfüttert erzählen sie von einem unerschütterlichen Vertrauen in den (gesellschaftlichen) Fortschritt durch und mit Technik. Dabei fokussieren sie vor allem elektromusikalische Apparaturen und Kuriositäten, die im Geiste militärischer Aufrüstung entwickelt wurden und vermittels (il-)legaler Bastler/innen-Leidenschaft Eingang in eine zeitweilig massentaugliche Populärkultur fanden: als Theremin oder Synthesizer – „instruments with expanded abilities“. Während die Musik von Deep Purple oder den Rolling Stones bei Strafandrohung verboten war, erklangen aus den Radios und Fernsehempfängern der UdSSR kosmische Chillout-Tunes – Lo-Fi-Sounds als Soundtrack zum Streben ins All. In Interferenz von Sowjetnostalgie und Liebe zur klanglichen Imperfektion lassen Experimentalmusiker, Bastler und Techniknerds die Apparaturen und Erfindungen dieser Ära auch heute noch hochleben. Es ist eine Art elektrifizierter Götzenkult, der in hingebungsvoller Pflege einiger weniger fortsetzt wird und Aufschluss über das Verhältnis von Politik und Massenkultur in Zeiten des Kommunismus gibt. „You felt like in a spaceship.“ You still do.
(Diagonale 2013 / Katalog)

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